La
Palma ist die nordwestlichste Insel der Kanaren,
die früher "Glückliche Inseln" genannt wurden. Sie hat
eine Fläche von 729 km² und ist 42 Kilometer lang und 24 Kilometer
breit. Auf ihr leben etwa 85.000 Einwohner (Daten 2003) und durchschnittlich
3.000 - 10.000 Touristen (s. unten). Sie gehört zu der spanischen
Provinz Santa Cruz de Tenerife. Hauptstadt ist Santa Cruz de La
Palma auf der Ostseite der Insel mit 18.000 Einwohnern. Auf der
Westseite befindet sich die inzwischen größte Stadt der Insel
Los Llanos de Aridane mit ca. 22.000 Bewohnern.
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Inhaltsverzeichnis
- 1
Geografie und Geologie
- 1.1
Lage am Westrand Europas
- 1.2
Vulkanismus und Vulkangipfel
- 1.3
Historisch dokumentierte Ausbrüche
- 2
Natur, Vegetation und Landschaft
- 3
Geschichte
- 3.1
Steinzeit, Guanchen und Antike
- 3.2
Spanische Eroberung
- 3.3
Menschenhandel, Zuckerboom
- 3.4
Weinbau
- 3.5
Amerikahandel, Piratenüberfälle
- 3.6
Seide, Cochenille und Bananen
- 3.7
Armut
- 4
Wirtschaft
- 5
Industrie und Handel
- 5.1
Klein- und Kleinstbetriebe
- 5.2
Handel
- 6
Tourismus
- 6.1
Entwicklung
- 6.2
Urlaubszentren
- 6.3
Perspektiven
- 6.4
Ländlicher Tourismus
- Verkehr
- 7.1
Straßennetz
- 7.2
Schiffsverkehr
- 7.3
Flugverkehr
- 8
Sternwarten
- 9
Feiertage
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Geografie
und Geologie
Lage
am Westrand Europas
La
Palma liegt etwa 60 Kilometer westlich der kanarischen Hauptinsel
Teneriffa auf 28°40'
nördlicher Breite und 17°52' Westlänge.
Durch den Westen des Eilands verläuft der frühere Nullmeridian
von Ferro, der eigentlich durch 20° westliche Länge von Paris
definiert war. Den Namen gab ihm die 60 Kilometer südlich gelegene
kleine Insel Hierro,
die bis zur Entdeckung Amerikas den westlichsten Punkt der Europa
bekannten Welt darstellte.
Die
Verwaltung La Palmas
gliedert sich in 14 Gemeindebezirke:
- Barlovento
- Breña
Alta
- Breña
Baja
- Fuencaliente
- Garafía
- Los
Llanos de Aridane
- El
Paso
- Puntagorda
- Puntallana
- San
Andrés y Sauces
- Santa
Cruz de la Palma
- Tazacorte
- Tijarafe
- Villa
de Mazo
Vulkanismus
und Vulkangipfel
Die
Insel ist vulkanischen Ursprungs und durch einen in Nord-Südrichtung
verlaufenden Kamm aus Vulkankegeln in zwei klimatisch unterschiedliche
Hälften geteilt. Im südlichen Teil (Cumbre Vieja) sind einige
Vulkane noch aktiv, der letzte Ausbruch fand 1971 im Süden der
Insel bei Fuencaliente, dem heutigen Los Canarios, statt. Es entstand
hierbei der Vulkan Teneguía, der noch heute unter Beobachtung
durch die Wissenschaft steht, da er nicht erloschen ist, sondern
ruht. Der nördliche Teil wird von der Caldera de Taburiente dominiert,
die von einem Ring von Gipfeln mit Höhen von 1.700 Metern bis
2.400 Metern umgeben ist. Höchste Erhebung der Insel ist der Roque
de los Muchachos mit 2.426 Metern. Auf seinem Gipfel befinden
sich einige der modernsten Sternwarten der Welt.
La
Palma ist wie alle Kanaren-Inseln
vom Vulkanismus geprägt. Ihr Alter ist mit etwa 3 Millionen Jahren
relativ jung. Vom Meeresboden in etwa 4.000 Meter Tiefe erhebt
sich die Insel fast 6.500 Meter und besteht zur Gänze aus verschiedenen
vulkanischen Gesteinen. Immer wieder finden Ausbrüche statt.
Historisch
dokumentierte Ausbrüche
- 1470-1492
Montaña Quemada
- 1585
Tajuya in der Nähe von El Paso
- 1646
Volcán San Martin
- 1677
Volcán San Antonio
- 1712
El Charco
- 1949
Volcán San Juan, Duraznero, Hoyo Negro
- 1971
Volcán Teneguía.
Die
Spuren dieser Ausbrüche - Krater, Aschefelder und kilometerlange
Lavaströme - prägen den Südteil der Insel. Im Nordteil hat sich
aus dem primären Vulkan durch einen gewaltigen Erdrutsch eine
Caldera gebildet, die Caldera de Taburiente, die bei 9 Kilometer
Durchmesser und 28 Kilometer Umfang etwa 1.500 Meter tief ist.
Zugänglich ist sie nur durch die enge "Schlucht der Todesängste"
(Barranco de las Angustias). Die Caldera ist unbewohnt und nur
zu Fuß zu erreichen. Sie wurde 1954 zum Nationalpark Parque Nacional
de la Caldera de Taburiente erklärt.
Die
vulkanische Aktivität ist eine ständige Bedrohung. Zwar konzentriert
sie sich auf die Südspitze der Insel und der letzte Ausbruch war
1971, doch gibt es Theorien, dass die küstenseitige Flanke der
Cumbre Vieja bei einem Ausbruch instabil werden und ins Meer abrutschen
könnte. Falls dieser Vorgang schnell stattfindet, wäre ein gewaltiger
Tsunami die Folge, der bis zu den Küsten Nordamerikas und der
Karibischen Inseln, aber auch Westafrikas und Europas reichen
würde.
Natur,
Vegetation und Landschaft
Aufgrund
seiner Entstehung und Lage bietet La Palma eine einmalige Natur
und Landschaft. La Palma
ist bekannt als La Isla verde ("die grüne Insel") und
als La Isla bonita ("die schöne Insel"), da sie ganzjährig
von grüner Vegetation bedeckt ist. Diese Üppigkeit verdankt die
Insel den Passatwinden, die verlässlich Wolken auf der Luv-Seite
der Insel schaffen, die beim Überqueren der Insel abregnen oder
dichte Nebelfelder auf den Bergen bilden. Die Feuchtigkeit dieser
Wolken wird von verschiedenen Pflanzen gesammelt. Die Insel gliedert
sich in verschiedene Vegetationszonen - von Lavafeldern über mediterrane
Trockenvegetation zu Kiefernwäldern auf den Höhen und auf der
Nordostseite auch Lorbeerwälder, die Regenwald ähneln. Unter den
Pflanzen La Palmas findet man ca. 170 Endemiten der Kanaren,
darunter die bekannten Kanarischen Drachenbäume.
Die
Landschaft bildet ein Ensemble in Schwarz (Basalt), Rot (Tuff)
und Grün (Vegetation) im Blau des Atlantik. Sie wird geprägt durch
die Barrancos im Norden, tief eingeschnittene Schluchten, die
das Wasser von den Bergen zum Meer führen, den Wäldern auf den
zentralen Inselbergen und die Gebiete jüngerer vulkanischer Aktivität
im Süden aus Aschefeldern, erstarrten Lavaströmen und Vulkankegeln.
Geschichte
Steinzeit,
Guanchen und Antike
La
Palma wurde im Neolithikum vom Volk der Guanchen besiedelt,
die angeblich groß und hellhäutig waren. Dass sie ab etwa 2000
v. Chr. von Nordafrika einwanderten, ist unter Wissenschaftern
mittlerweile nicht mehr umstritten. Dafür sprechen die genetischen
Analysen von Skelettfunden als auch nordafrikanische Sprachreste.
Die Guanchen lebten auf einer steinzeitlichen Kulturstufe und
waren in verschiedenen Clans organisiert, die die Insel unter
sich aufteilten. Der altkanarische Name von La Palma war Benahoare.
Die Sprache der Guanchen, das Guanche, starb im 17. Jahrhundert
aus, allerdings haben sich einige Worte im heutigen kanarischen
Dialekt erhalten.
Die Guanchen sind heute verschwunden; die Überlebenden der spanischen
Eroberung wurden wahrscheinlich in der europäischen Bevölkerung
assimiliert. Die zahlreichen Reste ihrer Steinzeit-Kultur sind
aber eine Attraktion der Insel: Wohnhöhlen, Grabstätten, Steinwerkzeuge
und die Petroglyphen - seltsame, komplexe Steinritzungen mit unbekannter
Bestimmung. Am bemerkenswertesten sind die steingepflasterten
Königswege, welche die gesamte Insel überziehen und die verschiedenen
Regionen verbinden.
Näheres
zu Gesellschaft, Felszeichnungen und Religion der Guanchen erfährt
man im Inselmuseum, im Besucherzentrum des Nationalparks sowie
bei La Zarza und La Zarcita (seit 1998 erster Archäologischer
Park der Kanaren). Die
dortigen Felsbilder faszinieren durch ihre Mäander, Labyrinthe
und Figuren. Ein zweiter Archäologiepark bei der Höhle von Belmaco
ist mit knapp 4.000 Jahren die älteste Fundstelle La Palmas.
Die
Kanarischen Inseln waren
möglicherweise schon im Altertum phönizischen Seefahrern bekannt,
die Nachrichten sind allerdings ungewiss. Erste Europäer gelangten
im 13. Jahrhundert auf die Kanaren.
Spanische
Eroberung
Im
Jahre 1312 wurde La Palma von dem Genuesen Lancelotto Malocello
erreicht. Der kastilische Graf Hernán Peraza entsandte 1447, nachdem
er seine Macht auf Lanzarote,
Fuerteventura und
El Hierro gefestigt
hatte, eine aus drei Schiffen und 500 Mann bestehende Flotte zu
der als unbezwingbar geltenden Insel La Palma. Aber auch diesem
Feldzug war wie den vorangegangenen kein Glück beschert: Bei den
erbitterten Kämpfen mit den Insulanern verloren die Spanier 200
Mann. 1492, in dem Jahr als Amerika von Christoph Kolumbus "entdeckt"
wurde, landete der auf Gran
Canaria beheimatete General Alonso Fernández de Lugo, von
dem spanischen Herrscherpaar Isabella von Kastillien und Ferdinand
von Aragón dazu ermächtigt, mit einer Streitmacht von 900 Mann
auf La Palma in der Nähe des Strandes von Tazacorte. Ihm gelang
schließlich die Einnahme der Insel. Am 3. Mai 1493, dem "Tag
der Erhebung des Heiligen Kreuzes", gründete Lugo an dem
Ort, an dem sich die altkanarische Siedlung Apunyon (auch Auprón)
befand, die Stadt Santa Cruz de La Palma. Dann begab er sich nach
Gran Canaria zurück,
um Vorbereitungen für die Einnahme von Teneriffa,
der letzten der sieben großen Kanarischen Inseln, zu treffen,
die er schließlich nach einem zweijährigen Feldzug 1496 eroberte.
Die
Spanier nutzten die Kanaren
als wichtige Zwischenstation für die Überfahrt nach Westindien.
Ausschlaggebend dafür war die geografische Lage am Passatstrom,
die schon Kolumbus 1491 nutzte. Allerdings betrat Kolumbus La
Palma nie.
Menschenhandel,
Zuckerboom
Schnellen
Reichtum bot La Palma
nicht. Es gab weder Gold noch Silber oder andere Bodenschätze.
Gewinn versprachen zunächst nur die Einheimischen – als Sklaven.
Trotz eines päpstlichen Erlasses aus dem Jahr 1434, in dem Eugenius
IV. die Kanarier zu „freien Leuten“ erklärt und den Menschenhandel
auf den Inseln verboten hatte, endete ein Großteil der Urbevölkerung
von La Palma gleich nach der Eroberung in der Sklaverei. Schätzungen
zufolge blieben nur rund 300 Familien (1.200 Menschen) von diesem
Schicksal verschont. Diese Palmeros ließen sich nach und
nach taufen und vermischten sich, nachdem sie ab >1514 den
Spaniern rechtlich gleichgestellt worden waren, rasch mit den
Konquistadoren sowie mit eingewanderten Portugiesen und Franzosen.
Schon bevor sich der Sklavenhandel auf der Insel erschöpft hatte,
verfolgte Fernández de Lugo ein weitaus lukrativer erscheinendes
Ziel: den Anbau von Zuckerrohr, zur damaligen Zeit das gewinnbringendste
Ackerbauprodukt. Europäische Kaufleute, Handwerker, Wein- und
Ackerbauern wurden auf die Insel gerufen, um Kapital und Arbeitskraft
in Zuckerverarbeitungsanlagen zu investieren. Wie bedenkenlos
man dabei mit der Landvergabe umging, wird an einem Beispiel besonders
deutlich: 1508 verkaufte Juan Fernández de Lugo seine Zuckerverarbeitungs-
und -Bewässerungsanlage von Tazacorte und Argual an den Andalusier
Dinarte; dieser veräußerte sie ein Jahr später an die Augsburger
Welser; wiederum ein Jahr später (1510) gelangten sie in Besitz
des Antwerpener Kaufmannes Jakob Groenenberch (hispanisiert: Jacomo
Monteverde), von dem sie schließlich das Brüsseler Handelshaus
Van de Valle erwarb.
Weinbau
Ab
1554 lohnte der Zuckerrohranbau auf La
Palma immer weniger. In Mittel - und Südamerika wurde preisgünstiger
produziert. Viele nicht mehr rentable Zuckerrohrplantagen wurden
in Weinfelder umgewandelt. Der vor allem im Süden der Insel auf
jungvulkanischem Boden gedeihende süße Malvasier wurde das wichtigste
Exportprodukt von La Palma. Hauptabnehmer des palmerischen Weines
war England. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts dauerte der Siegeszug
der palmerischen Malvasier, dann führte ein sich ändernder Konsumentengeschmack
zum Niedergang des Weinbaues. Allerdings wird heute wieder mit
zunehmendem Erfolg Wein angebaut, der nicht auf den Massengeschmack
zielt.
Amerikahandel,
Piratenüberfälle
Im
16. Jahrhundert bekam La
Palma nach Antwerpen und Sevilla das Privileg, mit Amerika
Handel zu treiben. Schnell entwickelte sich Santa Cruz de La Palma
zu einem der wichtigsten Häfen des spanischen Reiches. So ist
es nicht verwunderlich, dass Santa Cruz de La Palma im Laufe des
16. Jahrhunderts immer wieder Piraten anlockte, die sich der Reichtümer
der Stadt bemächtigen wollte. Unter dem Befehl von François Le
Clerc plünderten 1553 Franzosen die Hafenstadt. Was sie nicht
mitnehmen konnten, brannten sie nieder. Nach dieser Katastrophe
wurden Kirchen, Klöster und Häuser größer und prächtiger wieder
aufgebaut. Neue Verteidigungsanlagen wurden errichtet. So konnte
1585 der Angriff des Engländers Francis Drake erfolgreich abgewehrt
werden. Der Handel mit Amerika begünstigte das Aufkommen weiterer
Erwerbszweige (Schiffbau, Herstellung von Segeltuch etc.). Zahlreiche
Kaufleute aus aller Welt kamen nach Santa Cruz de La Palma und
verliehen dem Ort ein internationales Flair, viele fremdländisch
klingende Straßennamen zeugen noch heute von dieser glanzvollen
Epoche. Der Niedergang setzte bereits Mitte des 17. Jahrhunderts
ein. Nach einem Erlass aus dem Jahre 1657 mussten alle Schiffe
auf dem Weg nach Amerika auf Teneriffa
registriert werden und dort ihre Abgaben entrichten. Der Handelsverkehr
im Hafen von Santa Cruz de La Palma kam damit nahezu zum Erliegen.
Zwar gab König Carlos III. 1778 den Amerikahandel für alle spanischen
Häfen frei, doch konnte sich Santa Cruz de La Palma nie völlig
von der Wirtschaftskrise erholen.
Seide, Cochenille und Bananen
Abgesehen von Piratenangriffen erlebte
La Palma weitestgehend ruhige Zeiten. Von jeder Wirtschaftskrise
erholte sich das zwar bodenschatzlose, aber sehr fruchtbare Eiland
immer relativ schnell. Nach Zucker und Wein ließ sich auch mit
Bienenwachs und -honig, mit Tabak sowie mit Seide gutes Geld verdienen.
Bereits seit dem beginnenden 16. Jahrhundert pflanzte man in La
Palma Maulbeerbäume an, war La Palma führend in der Seidenherstellung
der Kanaren. Die Seidenverarbeitung
der Insel galt sogar als die fortschrittlichste des Kanarischen
Archipels. Um 1830 wurde dann die aus Mexiko stammende Cochenille-Laus
eingeführt, eine Schildlaus, die einen begehrten karmesinroten
Farbstoff liefert. Mit der Entwicklung von Anilinfarbe um 1880
war diesem Wirtschaftszweig jedoch nur ein kurzer Gewinn beschert.
Aus dieser Wirtschaftskrise half schließlich der Bananenanbau,
den zwei englische Gesellschaften, Elder und Fyffes, ab 1878 in
großem Stil auf die Kanaren
gebracht hatten.
Armut
Das einfach Volk auf dem Lande profitierte
von dem auf La Palma
erwirtschaften Reichtum kaum. Noch im 19. Jahrhundert lebten die
meisten Inselbewohner in strohgedeckten Holzhütten, selbst wohlhabende
Landbewohner konnten sich nur niedrige Bruchsteinhäuser leisten.
Probleme bereitete oft die Versorgung mit Lebensmitteln. Da man
auf der Insel vorwiegend Monokulturen anbaute, reichte die verbleibende
Ackerfläche für den Anbau von Getreide und anderen Landwirtschaftserzeugnissen
nicht aus. Schon im 16. Jahrhundert musste Getreide – zu hohen
Preisen – importiert werden. Als das Domkapitel von La Palma einmal
seinen Zehnten in Form von Weizen aus dem Getreidespeicher forderte,
weigerte sich die Bevölkerung einmütig und entschlossen, auf diese
Art ihre Steuern zu begleichen, woraufhin der Inquisitor über
die Insel einen Kirchenbann verhängte und – infolge einer Missernte
– einige Jahre lang niemand christlich beerdigt wurde. Die Armut
auf dem Lande war so groß, dass in vielen Familien die „schlecht
ernährten und schlecht gekleideten“ Männer und Frauen, wie 1758
der Missionar Juan de Medinilla in einem vertraulichen Bericht
an seinen Bischof schrieb, sonn- und feiertags aus Mangel an Kleidung
jeweils abwechselnd zur Messe gehen mussten.
Wirtschaft
Heute werden auf ca. 3.000 Hektar Bananen
angebaut, zunehmend wird die Landwirtschaft jedoch mit dem Anbau
von Avocado, Zitrusfrüchten und Gemüse diversifiziert. Bedeutend
ist außerdem der Weinanbau. Die Landwirtschaft wird durch ein
einzigartiges Bewässerungssystem mit Wasserleitungen und Tunneln
ermöglicht, die das Wasser aus den Bergen in die agrarisch genutzten
Gebiete führen. Diese Tunnel sind zum Teil hunderte von Metern
durch Felsen getrieben und bringen das Wasser über zehn Kilometer
oder mehr in die bewohnten Gebiete an der Küste.
Industrie und Handel
Klein- und Kleinstbetriebe
Neben der Landwirtschaft spielen Handwerk
und Industrie auf La Palma
nur eine untergeordnete Rolle. Die Insel besitzt lediglich einige
kleine Betriebe, die Landwirtschaftsprodukte weiterverarbeiten
bzw. Baustoffe oder Kunsthandwerk herstellen, sowie einige Baufirmen,
die dank des Tourismus in den letzten Jahren einen Aufschwung
zu verzeichnen hatten. Nur die Zigarrenfabrik in El Paso, in der
etwa 300 Insulaner arbeiteten, produzierte bis Ende 2000 in größerem
Umfang. Die Produktion wurde nach Deutschland verlagert.
Handel
Der Export von La
Palma beschränkt sich auf Agrarprodukte. Alles in allem aber
hat die Insel eine negative Handelsbilanz, d.h. es wird weit mehr
ein- als ausgeführt. Drei viertel der Lebensmittel müssen importiert
werden, auch Zitrusfrüchte wie Orangen und Zitronen, ebenso etwa
80 % des Bedarfs an tierischen Produkten. Andere wichtige Importwaren,
die zum größten Teil das spanische Mutterland liefert, sind Rohöl,
Konsumgüter, ferner mechanische und elektrische sowie Kraftfahrzeuge.
Tourismus
Entwicklung
Im Jahr 1890 gab es auf La Palma bereits
mehrere Hotels. Vor allem die erholungsuchenden Engländer frequentierten
Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts gern
die westlichste Kanareninsel.
Doch einige Jahrzehnte später ging es mit dem Tourismus auf La
Palma bergab, in den 1960er Jahren kam er fast ganz zum Erliegen.
In den 1970er Jahren und Anfang der 1980er Jahre profitierte La
Palma ein wenig vom Massen- und Chartertourismus auf den beiden
Kanarenhauptinseln Teneriffa
und Gran Canaria.
Erst Ende der 1980er Jahre waren nach der Erweiterung des palmerischen
Flughafen für den internationalen Charterverkehr im Tourismusbereich
kräftige Zuwachsraten zu verzeichnen.
Urlaubszentren
Bei einem Angebot von etwa 7.500 Betten
kann man auf La Palma
noch nicht von Massentourismus sprechen. Es gibt nur wenige größere
Hotels, vorwiegend werden Ferienwohnungen in kleineren Häuschen
vermietet, die im Besitz von Ausländern sind. Die meisten Touristen
– zu 80 % Deutsche – zieht es in die Gegend von Puerto Naos und
nach Los Cancajos. Deutsche Dauerurlauber oder Aussteiger haben
sich vorzugsweise etwas landeinwärts auf der sonnigen Westseite
der Insel in Los Llanos de Aridane und in El Paso niedergelassen.
Perspektiven
Ob La
Palma weiterhin das Ziel einer überschaubaren Anzahl von Individualtouristen
bleiben wird, oder ob es sich das Beispiel von Teneriffa
oder Gran Canaria
zu Eigen macht, ist vorläufig nicht abzusehen. Inselverwaltung,
einzelne Bürgermeister und Umweltschutzorganisationen hegen sehr
unterschiedliche Ansichten darüber, wie viele Touristenbetten
die Insel verkraften könnte. Die Zahlen gingen einmal bis zu 80.000
Gästebetten. Mittlerweile wird eine maximale Bettenkapazität von
20.000 angepeilt. Seit Mitte der 1990er Jahre kommen Jahr für
Jahr etwas mehr als 140.000 Touristen (davon mehr als 100.000
Deutsche) nach La Palma, doch immer noch ist die exportorientierte
Landwirtschaft die Haupteinnahmequelle der Palmeros, der Tourismus
bildet nur einen weiteren Devisenbringer – und so soll es nach
Meinung der meisten Inselbewohner bleiben. Die Strände von Puerto
Naos und Los Cancajos tragen die blaue Flagge der EU, und erfüllen
somit einen gehobenen Qualitätsstandard. Heute wird dem Besucher
ein touristisches Programm vom Wandern bis Tauchen und Mountainbiking
geboten.
Ländlicher Tourismus
Seit einigen Jahren setzt La
Palma auf den „turismo rural“ („ländlichen Tourismus“): Alte
kanarische Bauernhäuser im Hinterland werden renoviert, dabei
im inseltypischen Stil belassen und Touristen als Unterkunft angeboten.
Dieses Projekt, das mit EU-Geldern gefördert wird, hat den Vorteil,
dass nicht neu gebaut werden muss, sondern dass man auf schon
vorhandene Häuser zurückgreifen kann.
Verkehr
Straßennetz
Mittlerweile ist das Straßennetz auf La
Palma gut 1.200 km lang. Alle Hauptstraßen sind asphaltiert
und, wenn auch kurvenreich, in gutem Zustand. Lediglich einige
abgelegene Ortschaften im Inselnorden sind nur über Erd- oder
Betonpisten zu erreichen. Ein ca. 400 km langer Straßenring (Kartenbezeichnung
LP-1) umläuft die gesamte Insel (Santa Cruz - Los Canjacos - Mazo
- Fuenccaliente - Los Llanos - Tijarafe - Puntagorda - Barlovento
- San Andres - Puntallana - Santa Cruz), weiterhin verbindet eine
ca. 35 km lange Straße (Kartenbezeichnung LP-2) über zwei Tunnel
den Osten mit dem Westen der Insel (Los Llanos - Los Canjacos).
Schiffsverkehr
Die Bucht der Hauptstadt wird seit der
Eroberung der Insel durch die Spanier als Hafen genutzt. Von Santa
Cruz de La Palma werden
diverse Fährverbindungen zu den Nachbarinseln und zum spanischen
Festland, mit Zwischenstopps auf
Lanzarote, Gran
Canaria und Teneriffa,
angeboten. Auch der westliche Hafen in Puerto de Tazacorte ist
seit Juni 2005 mit einer Verbindung zur Insel
Teneriffa über Santa Cruz de La Palma dem Fährverkehr angeschlossen
worden.
Flugverkehr
Der erste Flughafen von La
Palma bei Breña Alta nahm 1950 den Betrieb auf. Die Landepiste
wurde 1970 stillgelegt, als der in der Küstenebene, südlich von
Santa Cruz de La Palma, gelegene neue Flughafen fertig gestellt
war. Seit 1987 ist er der sechste internationale Flughafen der
Kanarischen Inseln. Er wird mehrmals wöchentlich von mehreren
europäischen Chartergesellschaften angeflogen. Vom Flughafen Santa
Cruz de La Palma bestehen Linienverbindungen zu den Nachbarinseln
und zur spanischen Hauptstadt Madrid, die durch die spanische
Fluggesellschaft Iberia bedient wird.
Wegen des wolkenfreien Klimas befinden sich in der Gipfelregion
zahlreiche internationale Observatorien. Die Ansiedlung von Sternenwarten
wurde 1985 begonnen.
Feiertage
- 1.
Januar: Año Nuevo (Neujahr)
- 6.
Januar: Los Reyes (Dreikönigstag)
- 19.
März: San José (Josephstag)
- 1.
Mai: Día del Trabajo (Tag der Arbeit)
- 30.
Mai: Día del las Islas Canarias (Tag der Kanaren)
- 25.
Juli: Santiago Apóstol (Apostel Jakobus)
- 15.
August: Asunción (Mariä Himmelfahrt)
- 12.
Oktober: Día de la Hispanidad (Entdeckung Amerikas)
- 1.
November: Todos los Santos (Allerheiligen)
- 6.
Dezember: Día de la Constitución (Tag der Verfassung)
- 8.
Dezember: Immaculada Concepción (Mariä Empfängnis)
- 25.
Dezember: Navidad (Weihnachten)
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